Hochtemperaturwerkstoffe spielen im Turbinenbau eine Schlüsselrolle,
da sie die maximal mögliche Verbrennungstemperatur (heute ca. 1500°C)
und damit den thermischen Wirkungsgrad wesentlich mitbestimmen. Dies
gilt gleichermaßen für Flugtriebwerke und Kraftwerksanlagen zur Stromerzeugung.
In den heißesten Bereichen werden heute Ni-basis Werkstoffe eingesetzt,
weil sie hinsichtlich Temperaturbeständigkeit und Festigkeit alle anderen
derzeit verfügbaren Werkstoffe übertreffen. Der Forschungsschwerpunkt
Hochtemperaturwerkstoffe beschäftigt sich mit dieser Werkstofffamilie.
In industrienahen Projekten werden neue Legierungen entwickelt, neue
Reparaturverfahren vorangetrieben und das mechanische Verhalten unter
betriebsähnlicher Beanspruchung untersucht. Die derzeit durchgeführten
Vorhaben sind im folgenden näher beschrieben.

Stationäre Gasturbine mit Schaufeln aus einer Nickel-Basis-Superlegierung
Höchstfeste Einkristalllegierungen für Turbinenschaufeln
Turbinenlaufschaufeln sind diejenigen Komponenten, die den höchsten Temperaturen
und mechanischen Belastungen ausgesetzt sind. Jede Schaufel muß bei bis zu 1000°C
Materialtemperatur Zentrifugalkräfte aushalten, die dem Gewicht eines Lastwagens
entsprechen. Zur Bewältigung dieser extremen Beanspruchung werden einkristalline
Schaufeln aus Ni-basis Superlegierungen eingesetzt. Im Rahmen des Forschungsvorhabens
werden neue Legierungszusammensetzungen entwickelt. Dadurch soll das Einsatzpotential
auf über 1000°C gesteigert werden.

Einkristalline Turbinenschaufeln einer stationären Gasturbine
Neue Nickelbasis-Schmiedewerkstoffe für den Einsatz in Hochtemperaturdampfturbinen
Zielsetzung:
Will man einen Technologiesprung von Dampfturbinen zu Wirkungsgraden von ca. 55%
realisieren, sind Dampftemperaturen von 700C-720C erforderlich. Dies erfordert aber
auch die weitgehende Substitution von bisher verwendeten ferritischen Stählen für Bauteile
wie die Turbinenwelle durch eine für Dampfturbinen völlig neue Werkstoffklasse,
den Ni-Basis-Superlegierungen. Diese weisen aber für den Einsatz in Dampfturbinen z.T.
unzureichende Eigenschaften wie Rißwiderstand, Langzeitstabilität usw. auf, weshalb eine
Modifikation der bisher bekannten Nickelbasiswerkstoffe unbedingt nötig ist.
Forschungsvorhaben:
Ziel des Projektes ist es, grundlegende Zusammenhänge zwischen Werkstoffchemie und -gefüge
und Kriechrißwiderstand in verschiedenen Nickelbasislegierungen zu erkennen, um so eine
zielgerichtete Werkstoffentwicklung für Dampfturbinenanwendungen bei 700C-720C zu ermöglichen.
Es werden drei verschiedene Superlegierungsklassen (mischkristallverfestigt, gamma-strich
und gamma-zwei-strich-verfestigt) hinsichtlich ihres Rißwiderstandes verglichen, um so einen
möglichen Kanditatwerkstoff für den Einsatz in Hochtemperaturdampfturbinen zu identifizieren
sowie Möglichkeiten zur Erhöhung des Rißwiderstandes abzuleiten. Die Arbeiten umfassen:
- Kriechrißexperimente an Inconel 706, Inconel 617 sowie WASPALOY bei 700C
- Modifikationen o.g. Legierungen zur Erhöhung des Rißwiderstandes
- FE-Rechnungen zur Spannungs-Dehnungsanalyse sowie bruchmechanischer Auswertung
der Kriechrißexperimente
Verfahrensentwicklung zur Oberflächendiffusionsbehandlung von Nickelbasis-Superlegierungen mit Bor
Zielsetzung:
Entwicklungstendenzen zu höchsten Wirkungsgraden von Dampfturbinen zielen auf Dampftemperatur
von 700C gegenüber heute maximal 580C ab. Dieser Technologiesprung erfordert den Austausch bisher
verwendeter ferritischer 9-12% Cr-Stähle für Schmiedeteile ie zum Beispiel Turbinenwellen durch
Superlegierungen auf Nickelbasis. Da Turbinenwellen sicherheitsrelevante Bauteile darstellen,
werden sie gegen Wachstum des größten anzunehmenden Risses ausgelegt. Beachtet man die relativ
langen Betriebsdauern bei Dampfturbinen und den vergleichsweise geringen Kriechrißwiderstand
möglicher Kandidatwerkstoffe (z.B. IN 706, WASPALOY), so genügen diese Legierungen nicht den
Anforderungen. Besonders beim Übergang von Vakuum zu Luft als umgebendes Medium stellt man
eine Zunahme der Kriechrißgeschwindigkeit um z.T. mehrere Größenordnungen fest.
Eine wesentliche Verbesserung des Kriechrißwiderstandes an Luft bewirkt die Zugabe
korngrenzensegregierender Elemente wie zum Beispiel Bor. Als nachteilig bei einer Dotierung
mit Bor erweist sich jedoch die stark verschlechterte Gieß-, Schmied- und Schweißbarkeit des
Werkstoffes. Aus diesem Grund ist der maximale Borgehalt in Schmiedelegierungen sehr niedrig
gehalten.
Um die vorteilhafte Wirkung von Bor auch bei großen Schmiedeteilen wie z.B. Wellen nutzen zu
können, wurde eine neue Methode entwickelt, die durch eine Diffusionsoberflächenbehandlung den
besonders gefährdeten Randbereich von Schmiedeteilen (Kontakt zur Atmosphäre, hohe
Spannungsintensitäten) mit Bor anreichert und somit den Kriechrißwiderstand verbessert.
Durch kritische Experimente kann gezeigt werden, daß diese Oberflächenbehandlung den
Kriechrißwiderstand erhöht sowie den sog. SAGBO-Effekt drastisch verringert. Zukünftige
Arbeitspunkte sind die Verfahrensoptimierung bei der Herstellung der Diffusionsschicht sowie
eine umfassende Charakterisierung der Eigenschaften Schicht-Substrat.
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