Allgemeines
Generell beschäftigt sich das IfW mit explorativen
und weit in die Zukunft weisenden Forschungsansätzen auf dem
Gebiet metallischer Werkstoffe; dabei richtet sich die Forschung an
den technischen und industriellen Anforderungen aus, die mittelfristig
von Bedeutung sein werden. Methodisch und apparativ verfügt das IfW
über ein breites Spektrum von der Werkstoffsimulation über die
Synthese bis hin zu mechanischen Eigenschaftsprüfung.
Vier Forschungsschwerpunkte sind am Institut für Werkstoffe vertreten
und sollen im folgenden kurz vorgestellt werden.
Hochtemperaturwerkstoffe
Ein zentrales Thema ist die Weiterentwicklung
von Hochtemperaturwerkstoffen, wie sie im Bau von Turbinen für
Kraftwerke oder Flugzeugtriebwerke Anwendung finden. Die hier
eingesetzten Werkstoffe müssen auch bei hohen Temperaturen noch über
eine erhebliche mechanische Festigkeit verfügen, um den wirkenden
Kräften widerstehen zu können. Da der Wirkungsgrad jedes
thermodynamischen Prozesses mit der Spitzentemperatur steigt, besteht
ein großes Interesse daran, die Einsatztemperaturen stetig weiter zu
erhöhen.
Der vorherrschende Verformungsmechanismus bei hohen Temperaturen ist
das Kriechen, also die stetige Verformung des Werkstoffs unter
zeitlich konstanter Last. Als besonders kriechbeständige
Werkstoffe haben sich Nickelbasis-Superlegierungen etabliert, die
deshalb am IfW unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht und
weiterentwickelt werden.
Ebenfalls von Bedeutung sind
Titanlegierungen,
bei denen der Aspekt der Bearbeitbarkeit im Vordergrund der Forschung steht.
Schließlich werden auch
keramische Wärmedämmschichten
untersucht.
Neue Werkstoffe
Die Untersuchung neuer Klassen von Werkstoffen ist
ein weiterer Forschungsschwerpunkt am IfW. Zu den untersuchten
Werkstoffen zählen zum einen Metalle mit ungewöhnlicher
Struktur, nämlich metallische
Schäume, metallische
Gläser und nanoporöse Metallmembranen. Metallische
Schäume haben ein hohes Potential als Leichtbauwerkstoffe, doch
aufgrund ihrer besonderen Struktur unterscheidet sich ihr mechanisches
Verhalten stark von dem herkömmlicher Metalle. Auch die
metallischen Gläser, deren mikroskopische Struktur nicht
kristallin, sondern amorph ist, haben oft ungewöhnliche
Eigenschaften, deren Entwicklungspotential noch nicht in allen Aspekten
bekannt ist. Die aus Superlegierungen hergestellten nanoporösen
Metallmembranen zeigen ein breites funktionales Spektrum von der
Gastrennung über die Verwendung als Substrat in der
Brennstoffzellentechnik bis hin zum Einsatz als Biofilter.
Darüber hinaus werden auch metallische
Verbundwerkstoffe mit verbesserten mechanischen Eigenschaften
untersucht. Theoretisch erwartet man, dass sich durch Kombination
zweier verschiedener Verfestigungsmechanismen Werkstoffe mit extrem
hoher Kriechfestigkeit herstellen lassen. Dieses theoretische Potential
soll ausgelotet und schließlich in die Praxis umgesetzt werden,
wobei verschiedene prozesstechnische Probleme zu lösen sind.
Physikalische Messverfahren
Die Forschungsthemen im Bereich
Physikalische Messverfahren
zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht
durch eine Werkstoffklasse, sondern durch ein Verfahren
charakterisiert sind, das sich auf verschiedene Werkstoffe anwenden
lässt. Hierzu gehört zunächst
die mechanische Spektroskopie,
die die frequenzabhängige Elastizität und das
Dämpfungsverhalten von Werkstoffen untersucht, die zu
Schwingungen angeregt werden, und zwar einerseits, um
Werkstoffeigenschaften zu charakterisieren, (z.B. für metallische
Schäume) andererseits aber auch als eigenständige
Untersuchungsmethode (z.B. unter Verwendung von
Wasserstoff als Sonde).
Weiterhin wird die Stabilität von verformten und anderen
metastabilen Strukturen und deren Umwandlung in stabile Formen mittels
kalorischer Methoden
intensiv untersucht.
Das sogenannte EBSP-Verfahren schliesslich dient dazu, die Verformung von
polykristallinen Materialien detailliert zu untersuchen.
Schadensanalyse und Bruchmechanismen
Das Institut und die ihm
angegliederte Materialprüfstelle verfügen über eine jahrzehntelange
Erfahrung auf dem Gebiet der Schadensanalyse. Neben Fällen aus
dem allgemeinen Maschinenbau werden Probleme aus Spezialgebieten wie
Luftfahrttechnik, medizinische Implantate oder Chemische Industrie, wo
insbesondere Fragen der Korrosion zu klären sind, bearbeitet.
Gleichrangig neben der Klärung von Schadensfällen steht die
Beratung bei der Werkstoffauswahl und die Prüfung von Bauteilen vor
dem Einsatz im Betrieb. In Zusammenarbeit mit der Deutschen
Gesellschaft für Materialkunde wird jährlich ein internationales
Fortbildungsseminar in Ermatingen/Schweiz veranstaltet. Angeregt
durch Schadensfälle sind eine Reihe von Bruchmechanismen und das
Verhalten unter mehrachsiger Schwingbeanspruchung eingehend untersucht
worden.
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